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Mit neuer Lebensfreude

Schon ganz kleine Dinge können Senioren im Alltag zu mehr Zufriedenheit verhelfen: ein „Schatzkästchen“ mit schönen Fotos zum Beispiel, ein Gespräch mit alten Freunden – oder auch neue Bekanntschaften.

VON SABINE MEUTER

Zum alten Eisen gehören, alles Spannende in seinem Leben schon erlebt haben – solche Gefühle und Gedanken beschleichen manch einen älteren Menschen.

Nicht selten hat er oder sie dann einen Hang zum Trübsalblasen. Doch in einem solchen Stimmungstief muss niemand verharren. Eine ausgeprägte Antriebslosigkeit und eine anhaltende Niedergeschlagenheit können zwar auch Anzeichen einer schweren Depression sein. „Das sollten Betroffene unbedingt von Fachleuten therapieren lassen“, rät Ursula Lenz, Expertin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in Bonn. 

Sind Senioren nur leicht verstimmt, können sie aber selbst gegensteuern. „Die Einstellung entscheidet, wie man sich fühlt und verhält“, sagt der Diplom-Psychologe Rolf Merkle aus Mannheim. Wenn Senioren ihren Blick nur darauf richten, was sie heute nicht mehr können, dann verlieren sie ihre Energie und werden depressiv. Stattdessen ist es aus Sicht von Merkle wichtig, sich darauf zu konzentrieren, welche Möglichkeiten man noch hat, wofür man dankbar sein kann und was einem guttun würde. Drei Tipps für mehr Lebensfreude:

Sich ein Schatzkästchen für schlechte Tage zulegen

Darin können sich Dinge finden, die einen in eine positive Stimmung versetzen. „Das können schöne Fotos oder ein netter Brief sein“, erklärt Lenz. Bilder von lieben Freunden oder Verwandten wecken oft Erinnerungen an schöne gemeinsam erlebte Zeiten oder Momente – und damit tauchen oft auch die Gefühle von damals wieder auf. 

In so einem Schatzkästchen können aber auch andere Dinge verwahrt werden, die in einem Glücksmomente wachrufen: etwa die erste Haarlocke vom Kind oder ein Talisman, der einen schon das ganze Leben begleitet.Oder auch ein Stein, den man vor Jahren bei einem schönen Urlaub am Strand oder bei einer Wanderung in den Bergen gefunden hat und der dadurch zu einer Art Glückssymbol geworden ist.

Womit genau das Schatzkästchen gefüllt ist, muss jeder für sich entscheiden. Wenn man in einem Tief steckt, kann solch eine kleine Sammlung möglicherweise helfen. 

Denn: „Die Erinnerung an gute Tage kann eine Kraftquelle sein“, betont Lenz. Auch ein Tagebuch zu führen oder der Gedankenaustausch mit anderen Menschen können helfen, Zuversicht zu entwickeln und Trost zu finden, rät Diplom-Psychologin Anne Spreyer, Autorin der Broschüre „Wenn die Seele krank ist“ von BAGSO und der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. Bewegung macht Freude: Werden Sie aktiv!

„Bewegung hebt die Stimmung“, sagt Lenz. Ängste und Depressionen dadurch werden abgebaut. Beispielsweise in Bewegungskursen, die speziell auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnitten sind. „Bereits ein einmal die Woche durchgeführtes Training kann positive gesundheitliche Effekte erzielen“, sagt Merkle. Ältere über 80 Jahren profitieren etwa von einem sanften Krafttraining. „Aber auch ein täglicher halbstündiger Spaziergang tut schon gute Dienste“, erklärt Merkle. Spreyer zufolge können auch Stressbewältigungs- oder Entspannungstrainings eine Hilfe sein.

Ein Hobby, ein gutes Gespräch: Gemeinsam trägt sich’s leichter 

Viele hatten in früheren Zeiten ein Hobby; im Alter sind genügend Zeit und Muße vorhanden, es wieder zu pflegen – oder auch einfach etwas Neues auszuprobieren. Diplom-Psychologe Merkle rät Betroffenen außerdem, ihren Freundeskreis zu reaktivieren und diesen zu pflegen. Gegebenenfalls kann man über Senioren-Treffs und -angebote, wie sie auch von der GDA veranstaltet werden, neue Kontakte knüpfen (lesen Sie dazu auch den Text unten). „Häufig ist es so, dass sich im Ge- spräch mit anderen die eigene mehr oder weniger schlechte Befindlichkeit relativiert“, sagt Lenz. Und Merkle betont: „Mit Aktivitäten können Senioren dafür sorgen, dass sie erst gar keine Depressionen bekommen.“

Nur Stimmungstief oder schon Depression?

Draußen ist das Wetter schlecht, das schlägt manchen auf die Stimmung. Hält das Tief länger an, kann eine Depression vorliegen. 

Für eine Depression gibt es viele Anzeichen: Typisch sind. Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder eine bedrückte Stimmung, die länger als zwei Wochen anhält. Symptome wie Schlaf- und Appetitlosigkeit können darauf hinweisen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde mit. Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit treten oft erst im späteren Stadium auf. 

Das Alter spielt keine Rolle – nicht nur Senioren können erkranken. Wer an einer Depression leidet, verliert mitunter plötzlich sein Interesse an einem Hobby zieht sich zurück oder fühlt sich schnell überfordert und erschöpft. Oft verspüren Betroffene auch wenig Antrieb, über ihre Gefühle zu sprechen.

Haben Sie den Eindruck, dass jemand mehr als nur ein Stimmungstief hat, sollten Sie das Gespräch suchen. Idealerweise machen Sie keine Vorwürfe, sondern bieten Hilfe an. 

Wenn mehrere Anzeichen zutreffen, sollte man vorsorglich einen Arzt aufsuchen. Er kann Betroffenen bei der Suche nach der richtigen Behandlungsmethode helfen.

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