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Das Alter aktiv genießen

Den ganzen Tag herumsitzen und Fernsehen schauen? Nichts da! Wer die Zeit und Muße im Alter nicht als Belastung, sondern als Freiheit begreift, hat mehr vom Leben – davon sind Experten überzeugt.

VON PAULINE SICKMANN

Oft genug hört man von Jüngeren: „Das mach’ ich, wenn ich in Rentebin.“ Aber die wenigsten setzen solche Versprechungen tatsächlich in die Tat um. Dabei markiert der Beginn des Ruhestands einen wichtigen Lebensabschnitt, den man auch im höheren Alter genießen sollte. Die Pflichten eines Berufstätigen rufen nicht mehr, man hat Freizeit ohne Ende. Jetzt ist die Zeit zum Träume-Erfüllen! 


Überholtes Altersbild 

Doch viele empfinden das Alter zunächst nicht als Bereicherung, sondern als Belastung. Zu Unrecht, wie Erhard Hackler von der Deutschen Seniorenliga findet. „Dieses tradierte Altersbild ist völlig unzutreffend“, sagt er. Er plädiert dafür, auf die Freiheiten zu schauen, die Alter mit sich bringt. Er findet: Alter ist Vielfalt.

Wer alt ist, sollte seine Freizeit nach seinen Vorlieben gestalten und dabei – natürlich im Rahmen seiner körperlichen Möglichkeiten – gerne auch mal über die Stränge schlagen: „Ruhig nach dem Motto ‚Je oller, je doller‘“, sagt Hackler. Dabei sollten Ältere sich nicht zu sehr um gesellschaftliche Konventionen kümmern. Stattdessen gilt es, sich auch mal zu trauen, etwas Neues auszuprobieren oder sich einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen.

Dabei spielt es keine Rolle, wie groß oder klein dieser Traum ist. Einfach mal wieder eine Wein- oder Bierprobe mitmachen, eine Theatervorstellung besuchen oder die Tanzgruppe ausprobieren: „Es geht da- rum, auszutesten, was die Gesundheit noch so hergibt – mit einem gewissen, aber beherrschbaren Risiko“,  sagt Hackler. Warum sich nicht noch an eine neue Fremdsprache herantasten oder bei einer Tagesfahrt einen noch nie besuchten Ort entdecken? Mal aus sich herauszugehen, dies stünde den meisten Senioren hervorragend zu Gesicht, findet Hackler: „Und die Gesellschaft sieht einem das auch nach – die meisten Menschen sind nicht mehr so engstirnig wie früher, sondern haben Verständnis.“ Umgekehrt sollten Ältere aber auch Mut haben, ‚Nein‘ zu sagen – zum Beispiel, wenn sie Zeit für sich brauchen oder zu einer Aktivität keine Lust haben. 


Alter als Entdeckungsreise sehen

Wer schon viele Jahre aus dem Berufsleben ausgestiegen ist, bekommt manchmal Probleme mit dem vielen Freiraum: Die ersten Träume und Wünsche sind erfüllt, andere scheinen zu weit entfernt oder aufgrund zunehmender körperlicher Einschränkungen nicht realisierbar. Dann registrieren viele Menschen, dass das Älterwerden auch eine herausfordernde Lebensumstellung sein kann. Davon sollte sich jedoch niemand entmutigen lassen. Petra Uhlenbrock, Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin, sieht Alter und Ruhestand eher wie eine Entdeckungsreise: „Je deutlicher sich ein Mensch von bisherigen Routinen und Denkmustern lösen kann, je neugieriger er auf die vielen Möglichkeiten ist, desto spannender kann diese Entdeckungsreise werden“, sagt sie. Argumente wie „Das liegt mir nicht“, „Das habe ich noch nie gemacht“ oder „Was sollen bloß die anderen denken“ sollten nicht einfach ungeprüft hingenommen werden.

Wer dem Alter positiv gegenübersteht und es als Freiheit begreift, tut sich einen Gefallen. Das findet auch Prof. Klaus Rothermund von Zen-trum für Altersforschung an der Universität Jena: „Studien haben gezeigt, dass Leute, die ein positives Altersbild haben, selbstzufriedener altern“, sagt er. Gleichzeitig wirke sich eine positive Lebenseinstellung auf die eigene Gesundheit aus. Denn mit Plänen und Ideen für die Zukunft schaffen sich Ältere eine eigene Motivation, noch recht lange fit zu bleiben.


Aktiv im Ehrenamt oder Verein

Welche Aktivitäten passend sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Denkbar sind neben einmaligen Unternehmungen auch ein ehrenamtliches Engagement oder eine aktive       Mitgliedschaft in Vereinen oder Verbänden – viele Einrichtungen sind froh über jeden Freiwilligen, der im Rahmen seiner Fähigkeiten Aufgaben übernimmt. Aber auch, wenn es im Alter unzählige Möglichkeiten gibt, in seiner Freizeit erfüllende Dinge zu unternehmen: „Auch einfach mal nichts zu tun, kann super sein“, sagt Rothermund. Bereichernd sei schon, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, sich auch mal überraschen zu lassen – und stets offen für Neues zu bleiben.


So finden Sie das richtige Ehrenamt

42 Prozent aller 65- bis 85-Jährigen engagieren sich ehrenamtlich, das sagt eine aktuelle Studie im Auftrag der Generali-Versicherungen. Doch wie findet man das passende Ehrenamt? Ana-Maria Stuth, Geschäftsführerin der Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland, rät, sich vorab folgende Fragen zu beantworten: Wie umfangreich will ich mich engagieren? Soll es eine dauerhafte Aufgabe sein oder lieber ein zeitlich befristetes Projekt? Welche meiner Fähigkeiten oder Interessen soll das Ehrenamt einbeziehen?

Eine gute Anlaufstelle bei der Suche nach der richtigen Aufgabe sind die bundesweit 420 Seniorenbüros (www.seniorenbueros.org).

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