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(K)eine geruhsame Nacht

Mit einer Schlafstörung muss sich niemand abfinden – auch im Alter nicht. Es gibt immer eine Ursache, oft können Ärzte helfen. Manchmal reicht es aber auch, ein paar kleine Tipps zu beherzigen.

VON PETRA ZOTTL UND ELENA ZELLE

Zeit zum Ausruhen, Zeit zum Verarbeiten von Erlebnissen, Sorgen und Ängsten – eigentlich sollte die Nacht eine Phase der Erholung und Regeneration sein. Das ist sie aber für eine Vielzahl von älteren Menschen nicht. Gerade viele Senioren schlafen nicht gut ein oder werden nachts regelmäßig wach und bleiben dies dann eine gefühlte Ewigkeit. 

Andere wiederum gehen früh zu Bett und schlafen gut ein, sind dafür aber schon wenige Stunden nach Mitternacht wieder wach. Eine Schlafstörung? Nicht immer, sagt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), die für Senioren mit Schlafproblemen einen Ratgeber herausgebracht hat.

Denn tatsächlich haben Untersuchungen ergeben: Auch gesunde Ältere – gemeint sind Menschen, die deutlich über 70 Jahre alt sind und nicht über schlechten Schlaf klagen –, haben im Vergleich zu jüngeren Jahren oft ein verändertes Schlafverhalten. Wenn Senioren nachts länger wach liegen, müssen sie deshalb also nicht gleich unter einer Schlafstörung leiden. „Ältere Menschen haben zum Beispiel deutlich mehr Wachperioden. Jüngere liegen nachts bis zu einer halben Stunde wach, bei älteren Menschen können es bis zu zwei Stunden sein“, sagt Doktor Helmut Frohnhofen, Abteilungsarzt für Altersmedizin im Essener Alfried Krupp Krankenhaus und einer von zwei Verfassern des Ratgebers.

So benötigen gesunde Senioren etwa eine halbe Stunde, um in den Schlaf zu finden – und schlafen im Schnitt zwischen sechs und acht Stunden. „Die weitverbreitete Ansicht, ältere Menschen benötigen weniger Schlaf als jüngere Menschen, ist falsch“, halten Frohnhofen und Doktor Hans-Günter Weeß, Vorstandsmitglied bei der DGSM und Leiter des interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster, fest.

Viele Erkrankungen können den Schlaf stören

Werden diese Werte deutlich über- oder unterschritten oder fühlen sich Ältere am Tag müde und erschöpft, sollten sie vom Arzt klären lassen, ob eine Störung vorliegt. Dabei, so raten Frohnhofen und Weeß, sollten unbedingt die Medikamente überprüft werden, die der Betroffene einnimmt – und etwaige andere Erkrankungen, an denen der Schlaflose leidet. Vom häufigen Harndrang über Magenbeschwerden, Herz- und Lungenerkrankungen bis zum Diabetes – all diese Leiden können den Schlaf stören.

Oft sind auch chronische Schmerzen verantwortlich. „Dazu gehören Schmerzen des Skelettsystems, zum Beispiel Verschleißerscheinungen der Gelenke“, erklärt Frohnhofen. Auch eine Schlafapnoe, eine oft mit starkem Schnarchen verbundene Atemstörung, kann den erholsamen Schlaf empfindlich stören. Erkrankungen wie diese verleiteten oft dazu, ohne Ursachenforschung Schlafmittel einzunehmen – und die sind aus Sicht der Experten bestenfalls für kurze Zeiträume ratsam. „Ein gesunder alter Mensch sollte eigentlich keinen Anlass haben, über Schlafstörungen zu klagen“, konstatieren sie.

Auch eine Überweisung zu einem Spezialisten – einem sogenannten Schlafmediziner – kann darum manchmal sinnvoll sein. Allerdings gibt es in Deutschland nur wenige niedergelassene Schlafmediziner, betont Professor Ingo Fietze, Leiter des interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Deshalb solle man sich zunächst an den Hausarzt wenden. Nicht bei allen Senioren, die über schlechten Schlaf klagen, findet sich eine medizinische Ursache.

Tatsächlich beschreibt die DGSM ein weiteres Altersphänomen: Der Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt sich. Senioren gingen häufig deutlich früher zu Bett als Berufstätige, um dann schon gegen 3 oder 4 Uhr nachts wieder aufzuwachen. Bei der Frage nach dem Warum verfolgen Experten unterschiedliche Denkansätze. Aber sie alle haben mit dem Tageslicht zu tun: Denn viele Ältere neigen dazu, wegen ihrer veränderten Lebensumstände – beispielsweise beginnender Schwerhörigkeit oder nachlassender Sehkraft – in ihren vier Wänden zu bleiben. Sie halten sich weniger im Freien auf. Um den gewohnten Tag-Nacht-Rhythmus zu erhalten, sei Tageslicht aber einer der wichtigsten Taktgeber.

Zwar, dass räumen die Experten im Ratgeber ein, bedürfe es hierzu noch weiterer Forschung – aber es habe sich in ersten Untersuchungen gezeigt, dass zu wenig Tageslicht die Schlafqualität mindern könne. Daher könnte auch eine Lichttherapie eine Behandlungsmöglichkeit sein. Für den einen oder anderen mag es da leichter sein, einfach täglich einen kleinen Gang nach draußen zu tun – und das zu jeder Jahreszeit.

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