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Zu Hause pflegen oder im Seniorenstift?

Für viele Menschen ist die Entscheidung, ob sie in ein Seniorenstift ziehen oder nicht eine grundlegende Frage.

1. Seniorenstift Pflege

Für viele Menschen ist die Entscheidung, ob sie in ein Seniorenstift ziehen oder nicht eine grundlegende Frage. Doch ab welchem Moment wird diese Frage legitim und welche Gründe sprechen dafür oder dagegen? In diesem Artikel geben wir Ihnen eine erste Handreichung für diese Entscheidung.   

Emotionalität und Finanzen

Immer mehr Menschen in Deutschland werden pflegebedürftig. Bis zu 76 % der Angehörigen pflegen dann ihre Liebsten z. T. alleine oder mit Pflegepersonal zuhause. Beispielsweise mit der aktivierenden Pflege, d. h. Pflege zur Selbsthilfe. Emotionale Gründe wie persönliche Nähe und starke Bindung spielen dabei sicher eine genauso große Rolle, wie Finanzielle. Pflegesätze sind  in der Regel nicht deckungsgleich mit den Kosten für ein qualitativ hochwertiges Seniorenstift. Was liegt näher, als an die Angehörigen zu denken?

Vor- und Nachteile

Aber es gibt natürlich auch eine ganz andere Situation. Ihre Tochter ist beruflich sehr erfolgreich und hat Kinder. Ihr Sohn lebt und arbeitet im Ausland und kann auch nur selten vorbeikommen? Welche Vorteile kann dann die Pflege in einem Seniorenstift haben? Wir haben uns darüber Gedanken gemacht und die wichtigsten Vor- und Nachteile zusammengetragen die für, aber auch gegen die Pflege in einem Wohnstift sprechen.

2. Grundsätzliche Fragen und organisatorische Faktoren

Aus unserer Sicht gibt es finanzielle und emotionale Gründe sich für die Pflege zu Hause oder in einem Stift zu entscheiden. Natürlich spielen aber weitere Faktoren eine besondere Rolle. Ohne sie zumindest anzureißen, ist es schwierig, einen ausgewogenen Vergleich anzustellen.

Krankheitsentwicklung und Aussicht

Zunächst einmal gilt, nicht für jede Krankheit oder altersbedingte Beschwerde ist die eine oder andere Pflege besser. Welche Krankheiten oder Beschwerden betreffen sie heute und wie fühlen sie sich damit zuhause? Können sie sich aktuell noch gut selbst versorgen? Sehr gut. Doch ist das mittelfristig auch noch so?

  •  Pflegegrad beantragen
    Wenn es zu einem Notfall kommt und der Pflegegrad nach der Begutachtung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherungen) erst beantragt wird, kann es zu Wartezeiten kommen. Die Begutachtung, sowie die Einreichung dauern und auch die Entscheidung fällt nicht von heute auf morgen. Dann müssen die anfallenden Kosten zunächst einmal selbst übernommen werden. 

  • Was steht ihnen zu?
    Mit der Schwere der Krankheit ergeben sich unterschiedliche Pflegesätze. Ob sie einen ambulanten Pflegedienst buchen, ein Angehöriger sie betreut oder sie in einem Seniorenstift gepflegt werden, all das hat Auswirkungen auf die Höhe der Auszahlungen der Pflegekassen.  

  • Finanzielle Mittel prüfen
    Viele Senioren bauen sehr gewissenhaft vor. Doch einige Erkrankungen brauchen ganz plötzlich eine sehr dichte Betreuung und finanzielle Mittel. Sprechen sie in ihrer Familie früh genug über diese wichtige Frage. 

  • Wer kann sie zuhause pflegen?
    Wer aus ihrer Familie soll und kann ihnen helfen? Wer ist beruflich, aber auch körperlich und geistig dazu in der Lage oder müssen sie einen Pflegedienst beauftragen? Dabei ist zu bedenken, dass ambulante Pflegedienste nur nur über  begrenzte Kapazitäten verfügen.
  • Information vor Ort
    Haben sie eventuell schon mal ein Seniorenstift besucht? Wissen sie, wie es dort aussieht oder haben sie nur Bilder im Kopf? Lange Flure mit Linoleumfußöden, dauerhafter Essensgeruch in der Luft oder schlimmeres? Ein Besuch in einem qualitativ hohem Seniorenstift wäre dann sinnvoll. So können eventuelle Vorurteile abgebaut werden.  

3. Zu Hause pflegen

3.1 Vorteile der häuslichen Pflege

  • Ein Umzug schreckt ab
    Ein Umzug ist in den seltensten Fällen etwas Bequemes. Einige Unsicherheiten sind damit verbunden. Darüber hinaus ist es ja auch ein psychologischer Effekt. Im Alter sind die Menschen weniger bereit, sich noch einmal auf etwas ganz Neues einzulassen. Vielleicht muss man dort mit weniger Platz auskommen. Wer sind die anderen Bewohner. Wie komme ich von dort zu meinen Hobbies?   

  • Geringere Kosten
    Gute Pflege ist kostenintensiv. Wenn einen die eigenen Kinder oder Verwandte pflegen, wirken die Kosten zunächst geringer und überschaubarer. Das Heimentgelt übersteigt eventuell den Pflegesatz. Ein hoher Eigenanteil kann abschreckend wirken.

  • Freiheit geniessen
    Ist man auf eine Pflege angewiesen, scheint sie in den eigenen vier Wänden noch viele Freiheiten zu beinhalten. Natürlich muss man sich nach dem Termin des Pflegepersonals richten oder auch beachten, wann das Essen kommt. Gefühlt bleibt jedoch ein starkes Stück Freiheit bei der täglichen Planung.

  • My Home is my Castle
    Das eigene Haus, das man selbst gestaltet oder sogar gebaut hat, ist den meisten Menschen etwas sehr wertvolles. Viele Erinnerungen hängen an so vielen Einzelheiten. Dazu kommt das Vertraute und die Gemeinschaft, in die man nach vielen Jahren eingebettet ist. Ein Abschied, möglicherweise für immer, fällt sehr schwer.

  • Sicherheit
    Ein wichtiger Grund, nicht von zuhause ausziehen zu wollen, ist Sicherheit. Gerade wenn es einem schlecht geht, möchte man in den seltensten Fällen sein vertrautes Heim verlassen. Das Neue schreckt während einer Krankheit ab. Da braucht jeder Sicherheit, Stabilität und Bindung. Alles Begriffe, die man mit den eigenen vier Wänden verbindet. 

3.2 Die Nachteile der häuslichen Pflege

3.2.1 Für Pflegende

  • Nicht alle  Pflegemittel sind vorhanden 
    Nicht jeder Haushalt kann für eine einzelne Person, ständig jedes Pflegemittel bereithalten. Viele Mittel werden aber genau in dem Moment gebraucht, wenn es drauf ankommt. Zudem ist Anschaffung, bsp. von einem Spezialbett kostenintensiv. Die Beschaffung erfordern Geld und Zeit.   

  • Mangelndes Fachwissen
    Wenn Fachwissen fehlt, kann es in der Pflege zu schmerzhaften und gefährlichen Fehlern kommen. Einen Menschen zu pflegen erfordert zuvor erworbenes, grundsätzliches Wissen. Im Alltag, wie im Notfall. Die hastige Abwägung im Notfall kann zu Problemen führen, genauso wie die nicht fachgerechte tägliche Versorgung. Etwa bei Verbänden oder der täglichen Waschroutine. 

  • Vereinsamung fühlen
    Pflege findet in den meisten Fällen nur für ein oder zwei Stunden am Tag statt. Der Tag hat aber 24 Stunden. Sobald der Sohn/die Tochter oder der Mitarbeiter des ambulanten Dienstes wieder weg ist, beginnt wieder der einsame Teil des Tages. Wenn eine Person sich nicht mehr allein aus dem Bett bewegen kann, ist es möglich, dass es zur Vereinsamung und Deprivation kommt. Psychische Probleme können auftauchen.

3.2.2 Für die Pflegeperson

  • Hohe Belastungen
    Der Freiraum bei bestimmten Krankheiten ist auch für die Pflegeperson sehr gering und kann extrem belastend wirken. Gerade wenn die Pflegeperson wenig Erfahrung besitzt oder über geringe Ressourcen verfügt. Eine Überlastung ist dann schnell erreicht. Physische und psychische Probleme können die Folge sein. Der Angehörige fühlt sich bereits morgens erschöpft, ausgelaugt und isoliert.
  • Finanzielle Probleme
    Auch finanzielle Einbußen sind die Folge, weil die Pflegeperson wenig Zeit zu Arbeiten hat, bzw. ihre Arbeit unterbrechen muss. Das Pflegegeld ist nach der Pflegestufe gestaffelt, nicht nach dem Gehalt der Angehörigen. Da die Pflege in der Regel noch meist weiblich ist, belastet die Pflege vor allem sie, weil sie später oft deutlich niedrigere Rentenansprüche haben.   

4. Die Pflege im Seniorenstift

4.1 Nachteile der Pflege im Seniorenstift

  • Zusätzliche Kosten
    Pflege ist mit Kosten verbunden. Es gibt je nach Pflegegrad unterschiedliche Pflegesätze und Erstattungen durch die Pflegekassen. Ein Eigenanteil müssen sie aber immer mit einbeziehen. 

  • Umgewöhnung
    Niemand verlässt so einfach sein Zuhause. Einiges muss vielleicht zurückgelassen werden. Die Zeit der Umgewöhnung erscheint einem sehr lang und auch wenn das Angebot vor Ort attraktiv ist, fällt die Umstellung manchem vielleicht nicht leicht.  

  • Fremde Menschen
    Nicht jeder Mensch mag den Gedanken, dass fremde oder vielleicht sogar  häufig wechselnde Menschen einen in der Pflege berühren. Angehörigen sind einem in der Regel viel näher. 

  • Qualitätsunterschiede
    Nicht jedes Pflegestift hat dieselben Qualitätsstandards. Die MDK-Qualitätsprüfungen geben nur bedingt Auskunft über die Qualität der Pflege.

4.2. Vorteile der Pflege im Seniorenstift

  • Ausgebildetes Fachpersonal vor Ort 
    Das Gefühl zu haben, dass immer jemand da ist, ist unbezahlbar. Das Pflege oder Wohnstift teilt das Fachpersonal in der Regel nach einem Schlüssel genau so ein, dass immer Personal für die unterschiedlichen Pflegegrade vorhanden ist. Das geschulte Personal kennt sich mit der Pflege aus. 24 Stunden am Tag. Wenn es zu einem Notfall kommt, kann darauf zeitnah, rasch und vor allem angemessen reagiert werden. Zudem hat ein Pflegestift eine alters- und behindertengerechte Ausstattung. Wichtig! Es findet zudem eine Vorsorge und Beratung statt, wenn etwa der Bedarf an Pflege weiter ansteigen sollte.
  • Familie entlasten 
    Durch die Pflege im Stift wird eine viel zu oft unterschätzte Art der Pflege durch die Angehörigen wieder wichtiger. Die persönliche und liebevolle Hinwendung, die in der häuslichen Pflege manchmal auf der Strecke bleibt. Die Angehörigen haben in der Regel eine höhere emotionale Bindung.
  • Einsamkeit vermindern 
    Das Pflegepersonal begleitet  die Pflegebedürftigen mit dem Ziel, vorhandene Ressourcen zu erhalten und neue Kräfte zu aktivieren. Vorlieben und liebe Gewohnheiten werden dabei in guten Seniorenstiften berücksichtigt, soziale Kontakte gefördert. Bewohner werden in die Gemeinschaft einbezogen, zur aktiven Teilnahme am Leben ermuntert. Durch die passende Ansprache und Gesellschaft bleibt im Regelfall die Gedächtnisleistung hoch und die Gesundheit wird gestärkt.    

  • Kosten & Rechtssicherheit haben
    Die Kosten für eine Pflege im Seniorenstift werden vertraglich geregelt. Die zu erbringenden Leistungen von stationären Einrichtungen sind dabei klar und einheitlich geregelt. Das geht über die Mitbestimmung bei der Vertragsgestaltung, zur Beschreibung der Leistungen, deren Qualität und die Preise sowie Standards für die bauliche Beschaffenheit und Ausstattung des Stifts und die Mitwirkungsrechte der Bewohner
  • Geselligkeit & Gemeinschaftsaktivitäten
    Betreuungs- und Aktivierungsangebote sollten sich an den Erwartungen, Wünschen, Fähigkeiten und Befindlichkeiten der Bewohner orientieren. In guten Einrichtungen findet dabei die persönliche Biografie und der jeweilige situative Kontext besondere Berücksichtigung.

5. Fazit Pflege zuhause oder im Pflegestift.

Für beide Seiten ergeben sich Vor und Nachteile. Vor allem im Bereich der Kosten können sich beide stark unterscheiden. In jedem Fall ändert sich mit einem Umzug auch das soziale Umfeld. Sie schließen dadurch eventuell neue Freundschaften, Hobbies treten in ihr Leben und Abläufe müssen erfasst werden. Im Regelfall ist das für die Gedächtnisleistung positiv zu bewerten. Außerdem nehmen soziale Kontakte zu. Die Einsamkeit im Alter wird durch das Angebot eines Wohnstiftes und die deutlich kürzeren Wege, zumindest abgefedert. Betreuungskräfte stehen 24 Stunden zur verfügung, nehmen Ängste und geben Orientierung und Sicherheit.

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