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Ratgeberblog

Ob Einblicke in das alltägliche Leben bei der GDA, interessante Reportagen oder einfach nur ein paar gute Tipps für ein schöneres Leben – in unserem Ratgeberblog finden Sie Lesenswertes und Lebenswertes.

Die Kunst des Flanierens

Im 19. Jahrhundert war es in Europa große Mode – das Schlendern durch die Stadt. Heute sind Flaneure selten, dabei gibt es gute Gründe für einen geruhsamen Spaziergang durch die Straßen.

Tagtäglich kann man es beobachten: Ständig hat es irgend- jemand eilig. Zeit ist Geld, das Leben streng durchgetaktet, Das ist wirklich schade, denn diesen Menschen entgeht eine ganze Menge: Keinen Zeitdruck zu haben ist wunder- bar – das sollte man unbedingt genie- ßen. Eine der schönsten Arten, die freie Zeit auszukosten, ist dabei das Spazierengehen. Vor allem, wenn man sich für die allerfeinste Form des Spaziergangs entscheidet – das Flanieren.

Flanieren ist beinahe eine Kunstform

Im Grunde ist das Flanieren gar kein Gehen, sondern fast schon eine Kunst- form: Man schlendert ohne festgelegtes Ziel herum, schweift umher, schaut sich dieses oder jenes an, lässt die Umgebung auf sich wirken, die Gedanken dürfen ziehen. Nachdenken ist verpönt. Ein wahrer Flaneur wählt die weniger anstrengende Variante – er sinniert.

Das Wort „Flaneur“ geht auf das französische „flaner“ zurück. Auf Deutsch bedeutet das in etwa schlendern oder umherstreifen und bezeichnet damit ganz treffend das Besondere an dieser Art des Gehens: Das, was hier geschieht, findet nicht unter Zeitdruck statt.

Zum schönen Schlendern braucht man die Stadt

Das Flanieren entstand ursprünglich aus dem Wandern. Und das kann man bekanntlich am besten in der Natur, in Feld und Wald. Flanieren jedoch kann man dort nie und nimmer. Zum Flanieren bedarf es zwingend einer Stadt. Ein Dorf reicht dem Flaneur nicht aus. Der wahre Flaneur braucht große Straßen, inspirierende Architektur, unzählige Menschen. Mit anderen Worten: Er braucht Anregungen, schließlich ist er ein Intellektueller. Zumindest der

Flaneur des 19. Jahrhunderts war einer. Der war überhaupt beinahe mehr eine literarische Figur als ein reales Wesen. In die Literatur eingeführt wurde er vom Schriftsteller Edgar Allan Poe mit dessen Roman „Der Mann in der Menge“ von 1840. Auch Autoren wie Walter Benjamin, Franz Hessel und Siegfried Kracauer haben sich in ihren Romanen des Flaneurs als Thema angenommen.

Im 19. Jahrhundert waren die Flaneure oft wahre Dandys, die mit erhobener Nasenspitze durch die Stadt stolzierten. Später entwickelte sich der Flaneur zum Beobachter sozialer Phänomene. Er versuchte, in der Masse unterzutauchen, um ungestört Umgebung und Mitmenschen betrachten zu können – mit dem Ziel, später über sie zu schreiben.

Der Begriff des Flaneurs ist übrigens Männern vorbehalten. Das Wort „Flaneurin“ existiert eigentlich nicht. Weibliche Flaneure nannte man schlicht

„Passante“ – der französische Ausdruck für Spaziergängerin. Vor allem der Schriftsteller Marcel Proust hat diese Damen in seinem Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ verewigt. Weibliche Flaneure gab es damals den- noch, und es gibt sie noch heute.

Ganz gleich, ob man es nun Flanieren oder Spazierengehen nennt: Vom gesundheitlichen Standpunkt aus ist beides sinnvoll. Der Körper bewegt sich, der Kreislauf kommt auf Touren. Wenn das kein Grund zum Flanieren ist.


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