12.12.2016 10:20

Ab 2017: Aus Pflegestufe wird Pflegegrad

Das sogenannte „Pflegestärkungsgesetz“ (PSG) soll die Pflege verbessern. Der zweite Teil dieses Gesetzes ist am 1. Januar 2016 in Kraft getreten. Die meisten Änderungen wirken sich für Pflegebedürftige Menschen mit und ohne Demenz aufgrund der Übergangsbestimmungen aber erst ab Januar 2017 aus.


Pflegebedürftigkeit wird neu definiert

Bisher führten lediglich körperliche Beeinträchtigungen zu einer anerkannten Pflegebedürftigkeit. Geistige und psychische Einschränkungen wurden kaum erfasst. Mit dem neuen, deutlich erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriff ändert sich das. Er wird ab 2017 eingeführt und berücksichtigt dann alle Beeinträchtigungen der körperlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten.

Der Grad der Pflegebedürftigkeit richtet sich künftig danach, wie sehr ein Mensch insgesamt darin eingeschränkt ist, seinen Alltag selbständig zu bewältigen. Menschen mit Demenz können aber schon  in 2016 vom PSG profitieren, wenn sie ihren Leistungsanspruch auch abfordern.

Die neuen Pflegegrade

Die derzeitigen drei Pflegestufen werden ab 2017 durch fünf Pflegegrade ersetzt. Ausschlaggebend ist immer der Grad der Selbständigkeit in den folgenden sechs Bereichen:

Mobilität: Ist jemand körperlich noch so beweglich, dass er z.B. selbständig aufstehen, ins Wohnzimmer gehen oder Treppen steigen kann?

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Kann jemand so viel sprechen und verstehen, dass er sich z.B. an Gespräche beteiligen, Informationen begreifen, Risiken erkennen, oder sich örtlich und zeitlich orientieren kann?

Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Verhält sich jemand z.B. „schwierig“ oder aggressiv, ist er nachts unruhig oder angstvoll oder  verweigert er pflegerische Unterstützung?

Selbstversorgung: Kann jemand z.B. selbständig essen und trinken, das WC benutzen, sich ankleiden?

Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Kann jemand z.B. seine Medikamente in Eigenregie einnehmen, kleine Tests wie eine Blutzuckermessung selbst durchführen und deuten, ohne Hilfe zum Arzt gehen oder mit Hilfsmitteln wie einem Rollator zurechtkommen?

Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Kann jemand z.B. seinen Tag selbständig gestalten, Kontakt zu anderen aufnehmen oder die Häkelgruppe außerhalb seiner Wohnung ohne Hilfe besuchen?

Das neue Begutachtungsverfahren

Es heißt künftig „Begutachtungs-Assessment“ (NBA) und gilt für Personen, die 2017 erstmals pflegebedürftig werden. Die Begutachtung nimmt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) vor. Seine Gesamtbewertung der Selbständigkeit mündet dann in einen der fünf neuen Pflegegrade.

Was ändert sich für Menschen, die bereits heute eine Pflegestufe haben?

Für sie ändert sich nichts. Sie müssen weder neue Anträge stellen noch sich einer erneuten Begutachtung unterziehen. Vielmehr werden sie per Gesetz automatisch von ihrer heutigen Pflegestufe in den ab 2017 dafür vorgesehenen Pflegegrad übergeleitet.

Bei dieser Anpassung ans  neue System ist ausgeschlossen, dass jemand schlechter gestellt wird als vorher. Niemand erhält ab 2017 also weniger Leistungen.

Faustregel für Menschen ohne Demenz:
jetzige Pflegestufe + 1 = neuer Pflegegrad

Faustregel für Menschen mit anerkannt eingeschränkter Alltagskompetenz:
Jetzige Pflegestufe + 2 = neuer Pflegegrad

Wenden Sie sich mit weiteren Fragen gerne an die Pflegedienstleitungen in einem GDA Wohnstift oder Pflegehaus.

Autor: Swaantje Düsenberg, erschienen in » GDA-Leben Ausgabe 1.2016