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Lieblingsgedichte lernen im Wohnstift

Gedächtnistraining mit Gedichten – nicht nur für Senioren

Erinnern Sie sich noch an frühere Weihnachten – als Sie vor der Bescherung in der guten Stube ein Weihnachtsgedicht aufgesagt oder ein Lied mit vielen Strophen auswendig vorgetragen haben? Oder wie Sie Ihre Freunde damit überraschen konnten, dass Sie „Das Lied von der Glocke“ von Friedrich Schiller aus dem Stegreif rezitieren konnten?

Auch beim täglichen Gedächtnistraining gibt es mehrere Antworten auf die Frage ‚„Wie halte ich mich im Alter geistig fit?“. Sie sollten darauf achten, dass Sie ein paar dieser Möglichkeiten im Alltag umsetzen und dabei variieren, denn auch Abwechslung hält geistig rege und fit. Welche Variante davon Ihnen am meisten zusagt und Freude bereitet, bestimmen Sie natürlich selbst. 

Eine der zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Methoden ist das Auswendiglernen von Gedichten. Wir zeigen Ihnen, warum Sie wieder damit beginnen sollten, Gedichte im Seniorenstift zu lernen, wer das schon vor Ihnen getan hat und wofür diese Fähigkeit alles gut sein kann.

Das Memorieren von Gedichten hat eine lange Tradition

In der Antike kannten die Erzähler die gesamte Ilias auswendig. Die großen Weltreligionen Christentum, Islam, Judentum und Hinduismus schätzten ebenso die Kraft des Memorierens. So gelangten die Gläubigen näher zu Gott.

Alexander von Humboldt hingegen schrieb zum Auswendiglernen: „Das eigene Auswendiglernen und Auswendigwissen von Gedichten oder von Stellen aus Gedichten verschönert das einsame Leben und erhebt oft in bedeutenden Momenten. Ich trage mich von Jugend an mit Stellen aus dem Homer, aus Goethe und Schiller, die mir in jedem wichtigen Augenblicke wiederkehren, und mich auch in den letzten Momenten des Lebens nicht verlassen werden.“

Auswendiglernen war auch der Erhalt und die Weitergabe von Wissen in Zeiten, in denen die Menschen nicht schreiben konnten, einerseits, weil es keine Schrift gab, andererseits, weil die schriftliche Fixierung von Texten gefährlich war, wie etwa im Stalinismus oder unter Mao. So wurden Spottgedichte auf einen Herrscher stets nur mündlich überliefert.

Auswendiglernen in der Schule

In der Schule war das Auswendiglernen, das sogenannte Pauken, also das Lernen durch stetige Wiederholung, ein bewährtes und lange Zeit dominantes Bildungskonzept. Im Laufe zahlreicher Schulreformen machte es langsam, aber sicher dem sogenannten Verständnis-Lernen Platz, ohne allerdings ganz zu verschwinden. Auch heute noch beginnen Grundschüler in der ersten Klasse mit dem Auswendiglernen von Buchstaben und Zahlen als Grundlage für ihr Wissen. Später, etwa im Medizin- oder Jurastudium, muss ebenfalls sehr viel repetiert und memoriert werden. In diesem trainierten Zustand ist das Gehirn dann lange in der Lage, gut zu funktionieren und überraschende Leistungen zu vollbringen. Das gilt für die Jugend, aber selbstverständlich auch später im Alter. 

Den Weg des Lernens kann der Mensch immer gehen, unabhängig vom Alter. Für ein konkretes Gedächtnistraining sollten Sie regelmäßig und zielgerichtet Texte laut lesen, wiederholen und am besten sogar komplett auswendig lernen.

Gedächtnistraining durch Gedichte und Lieder im Seniorenstift

Wieso eigentlich sollten Sie sich heute im Seniorenstift oder der Seniorenresidenz dazu entschließen, Gedichte auswendig zu lernen? Vielleicht animieren Sie die Mitarbeiter dazu oder der Stiftarzt. Warum eigentlich? 

Das gezielte Lernen unterstützt die Rehabilitation und Vitalität genauso wie Fitness im Alter oder das gemeinsame Spielen. Sowohl körperliche als auch geistige Aktivitäten erhalten die kognitive Spannkraft. Deshalb sollten Sie Ihr Gedächtnis auch gezielt trainieren – und zwar am besten mit Freude und Spaß an der Sache.

Für Seniorinnen und Senioren, die ihre geistige Leistungsfähigkeit langfristig stabilisieren und optimieren möchten, ist das Auswendiglernen von Gedichten und Liedtexten eine empfehlenswerte Methode. Da das Gehirn ein Leben lang dazu fähig ist, die Zusammenarbeit der Nervenzellen im Gehirn zu verbessern und neue Verbindungen aufzubauen, bedeutet stetiges Lernen ein optimal arbeitendes Gedächtnis.

Tipps zum schnellen Auswendiglernen im Seniorenstift

Sie möchten auf den letzten Drücker ein Weihnachtsgedicht oder ein Lied erlernen, weil Sie eventuell noch einmal das Herz verlieren wollen? Oder genießen Sie das Leben entspannt im Sommer und möchten dieses wunderbare Gefühl durch ein passendes Gedicht in Erinnerung behalten? Ein Gedicht haben Sie auch schon ausgewählt, aber es fehlen Ihnen immer wieder ein paar Worte oder Zeilen beim Memorieren? Das Erlernen eines Gedichtes kann ganz schnell gehen. Vielleicht sollten Sie die nachfolgende Lernmethode einfach mal ausprobieren. 

  1.  Sie bringen das Gedicht oder das Lied in ein passendes Textformat. 
  2. Lesen Sie nun das Gedicht mehrmals aufmerksam durch. 
  3. Erstellen Sie einen neuen Ausdruck (oder schreiben Sie das Gedicht erneut ab), aber lassen Sie dabei lediglich nur die ersten Worte jeder Zeile stehen. 
  4. Mithilfe dieser ersten Worte versuchen Sie, sich an den Text der gesamten Zeile zu erinnern. 
  5. Wenn das nicht gelingt, schauen Sie sich die entsprechende Zeile immer wieder an, bis Sie diese nach dem Lesen der ersten Worte komplett aufsagen können. 
  6. Danach lassen Sie nur noch die ersten Worte jeder zweiten Zeile stehen 
  7. Das üben Sie so lange, bis Sie das Gedicht ohne Hilfe vollständig aufsagen können.
  8. Je öfter Sie übrigens ein Gedicht selbst abschreiben, desto besser können Sie sich die Position der einzelnen Worte im Satz merken. Nicht ohne Grund heißt es im Volksmund: „Wer schreibt, der bleibt!“ 

Was macht das Auswendiglernen mit dem Gedächtnis

Das Wunderbare an dieser Form des Gedächtnistrainings ist, dass Gedichte eine Möglichkeit der Identifizierung bieten. Sie schaffen einen poetischen Blick in eine fremde und zugleich nahe Welt. Aus Gedichten kann man viel über die Zeit, in der sie geschrieben wurden, erfahren. Schillers Gedicht „Die Bürgschaft“ kann, in eine Unterhaltung im Freundeskreis eingeflochten, dem Gespräch eine neue Wendung geben oder der Konversation eine feierliche Note verleihen. Dafür ist es allerdings empfehlenswert, das Gedicht frei aus dem Gedächtnis rezitieren zu können.

Auswendig gelernte Gedichte bilden einen kleinen, inneren Schatz, den Sie jederzeit hervorholen und betrachten können. Durch das Auswendiglernen selbst ausgewählter Gedichte werden Nervenzellen verknüpft und verstärkt. Zielgerichtetes Lernen führt dabei zu einer vermehrten Produktion der chemischen Botenstoffe, was sich insgesamt positiv auf Ihre Gedächtnisleistung auswirkt.

Fazit für das Erlernen neuer Gedichte im Alter

„Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun“, schrieb Goethe in seinem spät vollendeten Werk „Wilhelm Meisters Wanderjahre“. Gedichte oder Lieder auswendig zu lernen, hat eine lange Tradition in der Menschheitsgeschichte, in die wir uns mit unserem Jahrhundert einreihen. 

Das Erlernen von Gedichten hilft unserem Gedächtnis dabei, verlässlich und stark zu bleiben. Wir bauen uns dadurch eine eigene innere Bibliothek in unserem Kopf auf, die wir jederzeit betreten können. Allein, um uns selbst kennenzulernen, oder mit Freunden und lieben Menschen, um sie an unserem Schatz teilhaben zu lassen. 

Stellen Sie sich den Augenblick vor, wenn Sie mit ihren Freunden, ihrem Pflegedienst, Stiftarzt oder auch Seelsorger bei einem abendlichen Spaziergang Ihr Glück im Grünen finden und Sie können in diesem wunderbaren Moment das Gedicht „Frühlingsnacht“ von Joseph von Eichendorff aus dem Gedächtnis rezitieren! Hören Sie nicht auch die Nachtigall?

Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt’s schon an zu blühn.
Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
Ist mir’s doch, als könnt’s nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.
Und der Mond, die Sterne sagen’s,
Und in Träumen rauscht’s der Hain,
Und die Nachtigallen schlagen’s:
Sie ist deine, sie ist dein!

 

10 deutsche Lieblingsgedichte

Wenn Sie ein Gedicht suchen, das Sie auswendig lernen möchten, dann empfehlen wir Ihnen unsere Auswahl von 10 Lieblingsgedichten der Deutschen, die wir eigenhändig für Sie zusammengestellt haben. Vielleicht ist ja auch Ihr Lieblingsgedicht schon mit dabei?

  1. „Stufen“, von Hermann Hesse 

  2. „Mondnacht“, von Joseph von Eichendorff 

  3. „Herbsttag“, von Rainer Maria Rilke

  4. „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“, von Theodor Fontane 

  5. „Was es ist“, von Erich Fried 

  6. „Gedicht“, von Gottfried Benn

  7. „John Maynard“, von Theodor Fontane

  8. „Abendlied“, von Matthias Claudius

  9. „Der Zauberlehrling“, von Johann Wolfgang von Goethe

  10. „Der Sommer“, von Friedrich Hölderlin

Selbstverständlich gibt es in der Lyrik sehr viel mehr zu entdecken. Der Schatz allein an deutschsprachigen Gedichten, die Sie frei anhören und lesen können, ist eine unerschöpfliche Quelle. Hier finden Sie weitere Anregungen für weltbekannte Gedichte, wenn Sie zum Beispiel mal einen passenden Vers zu den unterschiedlichen Jahreszeiten brauchen oder auf der Suche nach einem bestimmten Liebesgedicht sind. 

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